Die Geschwister Jessica und Tobias Belik sind die Leistungsträger der TGH-Jugendbundesligateams
Basketball (sha). Zwei Leistungsträger, ein Name. Die Geschwister Jessica und Tobias Belik sind in den Jugendbundesligamannschaften der Turngemeinde Hanau (TGH) die Korbgaranten ihrer Teams. Den Feinschliff erhielten die beiden Rodenbacher in den USA, wo sie vier Jahre lang am der Highschool trainierten. Zurück in der Brüder-Grimm-Stadt gelang den Beliks der Sprung in den Hessenkader, in ihrem Heimatverein wurden sie früh zu Leistungsträgern verschiedener Mannschaften. Während Jessica eine Profikarriere ausschließt, will Tobias später auf dem US-College als Berufssportler durchstarten.
„In den Bundesligen spüren wir den Druck“, sagen die Belik-Geschwister unisono und erzählen von klingelnden Handys nach den Spielen. „Wenn es nicht so gut läuft, kommen die Fragen von Trainern, Eltern und Freunden: 'Was war denn heute los mit Dir?'“, berichtet Jessica, die in dieser Saison mit starken Leistungen auf sich aufmerksam gemacht hat. 113 Zähler warf die Flügelspielerin in den ersten sieben Partien der Weiblichen Nachwuchsbasketball-Bundesliga (WNBL) und ist damit die Nummer sechs der Scorer in der Vorrundengruppe Mitte. Bereits vor Saisonbeginn war der Deutsche Basketballbund (DBB) auf Jessica Belik, die bereits dem Hessenkader angehörte, aufmerksam geworden und lud sie zum finalen Sichtungscamp für die Nationalmannschaft ein. Die 16-Jährige schied erst in der letzten Runde aus und darf sich damit zu den 30 besten deutschen Basketballerinnen ihrer Altersklasse zählen.
Während sich Jessica auf ihre kongeniale Partnerin Özseli Gültekin, die ebenfalls haarscharf am Nationalkader vorbei schrammte, verlassen kann, schultert Bruder Tobias die sportliche Führungsrolle in der Jugendbasketball-Bundesliga (JBBL) alleine. Trotz hoher Schlappen in Serie für sein Team konnte der jüngere Belik-Sprößling mit einem Punkteschnitt von 18,5 für sich werben. Das hat sich natürlich auch bei der Konkurrenz herumgesprochen. „Gegen mich verteidigt stets der beste Mann des Gegners“, meint der Point Guard, der von seinen guten körperlichen Voraussetzungen profitiert und mit der Niederlagenserie seines Teams umzugehen weis: „Natürlich ist auch Frust dabei. Aber wir hatten das nicht anders erwartet“, erklärt das Mitglied der Hessenkaders seiner Altersklasse. Selbstvertrauen holt sich Belik in der U18-Oberliga, die die TGH nach Belieben dominiert. Der 15-jährige Frühstarter ist bereits fester Bestandteil der Planungen von Coach Malik Zahary.
Auch seine Schwester Jessica, die im Damenlandesligateam eine etablierte Größe ist, hatte es mit der sportlichen Karriere eilig. Mit 14 Jahren waren es sie und Gültekin, die bei den Aktiven den Aufstieg aus der Bezirksliga erst möglich machten. Zwar haben die Geschwister das Basketball-Handwerk seit der frühen Jugend in Hanau bei Gisi Schmidt erlernt, den Feinschliff holten sie sich aber im Mutterland des körperlosen Sports. Für vier Jahre wanderten die Beliks mit ihren Eltern in den US-Bundesstaat New Jersey aus und spielten dort im Highschool-Team. „Es gab wenig Training und wenn, dann ging es fast nur um Spielzüge. Stattdessen fanden sogar unter der Woche Ligaspiele statt“, erinnern sich die Rodenbacher, die die Zeit jenseits des Atlantiks trotzdem als gute Schule schätzen. Das Wort Highschool schindet in den Landes- und Bundesauswahlkadern deutlich mehr Eindruck als der Name ihres Heimatvereins, wie Tobias weis: „Es nimmt Einfluss, aus welchem Club ein Spieler kommt. Als TGH-Mitglied war das früher negativ, denn als Hanauer wurde ich oft nicht ernst genommen.“
Auch Jessica Belik kennt die niedrigen Erwartungen in überregionalen Kreisen. „Für viele war der Verein ein Zwerg. Sie konnten sich nicht vorstellen, dass Özseli Gültekin und ich mithalten würden“, so die WNBL-Spielerin, die sich im Oktober 2010 über eine weitere Sichtung doch noch in den Nationalkader spielen könnte. Hoffnungen auf eine Karriere als Profi macht sie sich nicht. „Selbst als College-Spielerin können Frauen in diesem Sport kaum Geld verdienen. Trotzdem will ich Basketball auch nach dem Abitur als Leistungssport betreiben.“ Ganz andere Perspektiven sieht Tobias Belik für seine Laufbahn: „Seitdem ich angefangen habe, wünsche ich mir eine Profikarriere. Der erste Schritt dahin sind für mich die U18 und unsere erste Herrenmannschaft, die White Wings“, äußert sich der ambitionierte Sportler, der nach dem Abitur zurück in die USA will, um seine Laufbahn auf dem College fortzusetzen. (Hanauer Anzeiger/Dominik Sharaf)
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