TG Hanau gewinnt glücklich mit 89:88 gegen SV Oberelchigen – Sebastian Köhnert übt Kritik
Basketball (sha). Die Turngemeinde Hanau (TGH) hat das Basketballjahr 2010 mit einem Herzschlagfinale begonnen. Den SV Oberelchingen bezwangen die White Wings am Samstag in der Main-Kinzig-Halle mit 89:88 (42:45). Gegen den krassen Außenseiter trat das Team von Alphan Bartik in der ersten Halbzeit desolat auf. Erst ein starker zweiter Durchgang und das nötige Fortune in den Schlusssekunden retteten die Punkte. Trotz des glücklichen Ende äußerte sich Sebastian Köhnert, zusammen mit Wadale Williams der Matchwinner, kritisch über die Situation im Team.
Als die Uhr noch 39 Sekunden anzeigte, stand die Main-Kinzig-Halle Kopf. Kurz zuvor hatte Markus Konecny im vorletzten Kapitel eines echten Basketballthrillers ein Wechselbad der Gefühle erlebt. Erst scheiterte der TGH-Center mit zwei Freiwürfen, dann warf er seine Farben mit 89:88 in Führung. Eine Nervenschlacht begann: Der SV Oberelchingen nahm seine vorletzte Auszeit, war anschließend im Ballbesitz. Die Gäste aus Bayern spielten die Shotclock zweimal weit herunter, dann landete der Ball im Aus. Noch 9,4 Sekunden, wieder Ballbesitz Oberelchingen, wieder Time-Out Oberelchingen. Zwei bange Minuten für Spieler, Trainer und Fans. Wenn der Außenseiter zum Schuss käme, gäbe es für die White Wings wohl keine Kontergelegenheit mehr. Der entscheidende Angriff: Christopher Williams ging zur Grundlinie, versuchte den Dreier. Der Ball war lange der Luft und sprang auf den Ring. Doch den Rebound holt der SVO, Jürgen Maaßmann schloss aus drei Metern ab. Doch dem Ex-BBL-Profi versagten die Nerven, Hanau siegte mit einem einzigen Punkte Vorsprung.
Nach dem Jubel kehrte die Ernüchterung bei der TGH ein. Viele Spieler verschwanden schnell in der Kabine. „Feiern? Mal schauen“, sagte Alphan Bartik. So nervenaufreibend der Krimi endete, so schleppend hatte er begonnen. Die Mannschaft um Kapitän Andre Young starte desolat in die Partie. In der Offense verzettelten sich die Hanauer zu oft mit kleinteiligem Kombinationsspiel und beschworen so haarsträubende Fehler herauf. Der SV Oberelchingen nahm diese Einladung gerne an. „Wir hatten mal wieder mit uns selbst zu kämpfen und wollten zu viel. So haben wir den Gegner überhaupt erst stark gemacht“, meinte Köhnert über einen Gegner, der eigentlich als Underdog in die Goldschmiedestadt gekommen war.
Dass beim ehemaligen Bundesligisten aus Schwaben kleinere Brötchen gebacken werden, war mit bloßem zu erkennen: kein Trikotsponsor, eine verwaschene Beflockung und ein neunköpfiger Kader. Mit Spielertrainer Jürgen Maaßmann und dem Amerikaner Christopher Williams genügten in der ersten Hälfte zwei Aktivposten, um die Turngemeinde vorzuführen. Drei Minuten vor der Pause lag die schon 14 Punkte zurück, konnte den Rückstand dank Alonzo Brooks aber noch entscheidend verkürzen. Sebastian Köhnert über die Gründe für die Schwächephase: „Ich habe noch nie in einem Team mit qualitativ so breiten Kader und so viel Erfahrung gespielt. Aber wer soll hier der Leitwolf sein? Die Verantwortlichen haben es verpasst, eine klare Hierarchie aufzubauen“, kritisierte der Aufbauspieler, der vor der Saison vom MTV Kronberg kam. „Ich meine damit das ganze Team, dazu zählt auch der Trainer“, so Köhnert.
Bartik beantwortete die Frage nach der Führungsperson auf dem Feld nicht eindeutig: „Wir haben zu viele ordnende Hände und spielen häufig klein-klein“, stellte der Headcoach fest und stärkte seinem Kapitän den Rücken: „Andre Young hat uns nach dem Seitenwechsel zur Initialzündung verholfen.“ Auf der zweiten Halbzeit will der Trainer aufbauen, schließlich zeigten die White Wings endlich geradlinigen Basketball und eine druckvolle Defense. Die Folge waren erzwungene Fehler auf Oberelchinger Seite – das Team wusste sich nur noch mit Dreierversuchen zu helfen und sah seinen Vorsprung dahinschmelzen. Im entscheidenden Moment versagten dann auch Maaßmann die Nerven, sodass die White Wings den einzigen Punkt Vorsprung über die Zeit retteten.
TG Hanau: Brooks (29 Punkte / 3 Dreier), Williams (18/4), Konecny (14), Köhnert (13/3), Lang, Quarshie (beide 5), Young (3), Morris Boyd (2), Philipp Schneider. Zuschauer: 400. (Hanauer Anzeiger/Dominik Sharaf)
|