Presse: Im dritten Viertel aufgetrumpft
Montag, 1. März 2010
Regionalliga: TG Hanau schlägt Tabellenführer VfB Gießen mit 98:88 und hält  Anschluss zur Tabellenspitze
Basketball (sha). Die Turngemeinde Hanau (TGH) kann die Großen der Liga doch schlagen. Nachdem die White Wings in den letzten zwei Gipfeltreffen mit dem MTV Stuttgart und dem TV Saarlouis den Kürzeren zogen, gelang dem Bartik-Team am Samstag in der Main-Kinzig-Halle ein 98:88-Erfolg über den VfB Gießen. Nach einem durchwachsenen Beginn trumpfte die TGH im dritten Viertel mit der stärksten Saisonleistung auf. Die zweite Reihe rettete die Führung angesichts massiver Foulprobleme über die Ziellinie und hielt so den tabellarischen Blickkontakt zu den Spitzenteams.

Die Partie begann auf hohem Niveau und war durch zwei starke Defenseformationen geprägt. Während Norman Lang mit unermüdlichem Einsatz für Stabilität auf Hanauer Seite sorgte, stellten sich in der Gießener Zone die bulligen Rotaru-Brüder Felix und Sebastian in den Weg der Gegenspieler. Größtes Manko der White Wings waren in dieser Phase eine schwache Dreierquote und Kapitän Andre Young, der das Auge für den Mitspieler vermissen ließ. Früh zeichnete sich ab, dass nicht alle Spieler die Schlusssirene auf dem Court hören würden: „Uns war klar, dass der VfB Gießen über die Physis ins Spiel kommen würde. Aber gerade wenn es härter zugeht, können wir dagegen halten“, sagte  Guard Philipp Schneider nach der Partie.

Nicht erwartet hatte die TGH die grassierenden Foulprobleme vor dem Seitenwechsel. Zwar dominierte Markus Konecny unter dem Korb, bezahlte dafür aber mit vielen Pfiffen gegen sich und sah sich bereits zur Mitte des zweiten Viertels kurz vor dem Abgang Richtung Kabine. Bartik schützte den wertvollen Center, musste aber zunehmende Instabilität in der Verteidigung in Kauf nehmen. Der Grund: Alonzo Brooks war im Angriff deutlich mehr auf der Höhe des Geschehens als in der Defense. Ausgenutzt wurden diese Schwächen allen voran von Gießens Topscorer Zeljko Pavlovic, der in Hälfte eins den Ball aus jeder Position zu versenken wusste. Die White Wings hielten sich mit einem Halbzeitstand von 44:45 in der Partie, weil US-Profi Wadale Williams sein bestes Spiel der letzten Wochen machte und viele Fastbreaks initiierte.

Dass seine Mannschaft nach der Pause deutlich stärker auftrat, führte Alphan Bartik auf den Matchplan zurück: „Wir wollten so spielen wie der TV Saarlouis am vergangenen Wochenende: schnell und variabel. Dem VfB liegt das nicht“, erklärte der Headcoach. „Diese Taktik haben die Jungs heute exzellent befolgt.“ Das dritte Viertel entschied die Turngemeinde mit 32:15 für sich, weil die Hanauer Akteure bei den Würfen eine traumwandlerische Sicherheit an den Tag legten. Auch an der Linie blieben die White Wings nervenstark und realisierten eine Erfolgsquote von 75,5 Prozent – Saisonbestleistung. Für Gießen hingegen schien der Korb wie vernagelt. Von einer starken Defense um Philipp Schneider eng gedeckt scheiterten die Pointers im 24-Sekunden-Takt.

In Bedrängnis geriet die solide Hanauer Führung nur noch, als die Foulprobleme ausuferten. Konecny, Brooks, Lang und Philipp Schneider mussten mit fünf Vergehen vom Court, wurden von der zweiten Reihe jedoch gut vertreten. Dem in dieser Saison noch gar nicht eingesetzten Dennis Köchling gelangen sogar sechs Punkte in vier Minuten Spielzeit. Weil der VfB Gießen zunehmend frustriert war und selbst einen Spieler nach dem anderen verlor, scheiterte die Aufholjagd des Tabellenführers, der auch die zweite Partie gegen die TGH in dieser Saison verlor.

Die Bilanz nach den drei Topspielen fiel gemischt aus: Ein Sieg aus der Spielen, einen zweiten Erfolg verspielten die White Wings in Stuttgart nur knapp. „Der Aufstieg dürfte kaum noch zu schaffen sein, jetzt sind die Top fünf das Ziel“, meinte Philipp Schneider und nahm damit ein Wort in den Mund, dass sein Trainer ungern hört. „Ich verstehe nicht, warum die Medien immer über den Aufstieg sprechen. Rang drei bis sechs ist und bleibt das Ziel.“ Unter Umständen würde allerdings aus Platz drei für den Sprung in die ProB reichen.

TG Hanau: Williams (17 Punkte / 1 Dreier), Lang (15/3), Köhenrt (14/2) Philipp Schneider (13/1), Brooks (12), Young (11/1), Konecny (8), Köchling (5), Jens Schneider (4), Morris Boyd. Zuschauer: 450. (Hanauer Anzeiger/Dominik Sharaf)

 

 
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